Kongressheft 2016

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Nachbericht: Alternative Wege zur Stillgruppenwerbung

Workshop: Alternative Wege zur Stillgruppenwerbung vom 24. April 2016

Referentin: Sabrina Sailer, AFS-Stillberaterin, Koordinatorin AK Internet, Medienwissenschaftlerin, freiberufliche Online Redakteurin & Ghostwriterin

Nachbericht von: Nadja Grütter, AFS-Stillberaterin in Ausbildung, Bundeslandbetreuerin für Niedersachsen & Bremen, Webentwicklerin


Der traditionelle Weg zur Stillgruppenwerbung ist das Verteilen von Flyern und Aushängen. Oft stellt man als Leiterin einer neuen Stillgruppe allerdings fest, dass man zwar eine Menge davon ausgelegt und verteilt hat, die Gruppe aber nicht besonders gut besucht wird.
Im Folgenden geht es also um die Anpassung der Flyer, sowie um alternative Wege zur Bewerbung einer Stillgruppe.

 

Wer ist die Zielgruppe?

Zunächst einmal sollte die Beraterin die Frauen, die sie in ihrer Gruppe erwartet, nach bestimmten Kriterien einteilen um zu sehen, welche Stereotype sie mit ihrer Stillgruppenwerbung erreichen muss. Dazu kann sie sich folgende Fragen zu einer typischen Teilnehmerin beantworten:

  • Wie alt ist sie?
  • Welchen Schulabschluss hat sie?
  • Arbeitet sie oder ist sie in Elternzeit?
  • Welches Einkommen hat ihre Familie?
  • Welche weiteren Kurse und Beschäftigungen hat sie mit dem Kind?
  • Auf wen hört sie, wenn sie Fragen rund ums Baby hat? (Hebamme, Arzt, Freunde, Familie)
  • Lebt sie auf dem Land oder in der Stadt?
  • Ist sie mobil? (Auto, ÖPNV)
  • Hat sie ein Smartphone? Und benutzt sie es?
  • Liest sie viel (Internet, Bücher, (Fach-)Zeitschriften) oder sieht sie eher fern (Formate wie „Hallo Baby“)

Anhand dieser Punkte kann man schon besser abschätzen, wie sich diese Stereotype verhält und wie man sie erreichen kann. Die folgenden Aussagen sind im Durchschnitt zu sehen, es kann überall Abweichungen geben!

Ältere Mütter holen sich beispielsweise oft eine zweite Meinung ein, wohingegen sehr junge Mütter mehr auf die Familie hören. Erstere sind oftmals aufgrund ihrer Ausbildung und Lebenserfahrung informierter und generell mobiler im Vergleich zur zweiten Gruppe.

Frauen zwischen 20 und 45 Jahren trifft man im Internet häufig auf Facebook an. Jüngere Mütter nutzen andere Formate, z.B. Snapchat oder WhatsApp. Über diese Kanäle ist es schwieriger, sie zu erreichen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau stillt, ist höher, je höher ihr eigener Schulabschluss und Bildungsstand ist.

Befindet sich eine Frau in Elternzeit, hat sie u.U. deutlich mehr Zeit, sich beispielsweise im Supermarkt oder in einem Geschäft die ausgelegten Flyer und Aushänge anzusehen, während eine berufstätige Mutter oft nur schnell den Einkauf erledigt und sich eher abends im Internet informiert. Hat eine Mutter ein Smartphone und nutzt es, erreicht man sie sehr wahrscheinlich über Stillgruppenwerbung im Internet.

Sucht die Frau lieber im Internet nach Antworten auf Kinderfragen, ist es ratsam, dort als Beraterin verfügbar und auffindbar zu sein. Orientiert sie sich jedoch an Arzt und/oder Hebamme, sollte man diese Ansprechpartner über sein Angebot unterrichten.
Oftmals gibt es im Ort auch gefestigte Strukturen, regelrechte Cliquen von Müttern. Hier funktioniert die Stillgruppenwerbung häufig über die Weiterempfehlung von einer Freundin zur nächsten, sowie über den ansässigen Kinderarzt/die ansässige Hebamme.

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Nachbericht zu Prof. Bodo Melnik vom 24. April 2016

Fortbildung: Die genregulierende Wirkung der Muttermilch fehlt in Säuglingsersatznahrung

Referent: Prof. Dr. Bodo Melnik

Nachbericht von: Anja Lück, zertifizierte AFS-Stillberaterin, Bioinformatikerin & Landeskoordinatorin Mother Hood e. V.


 

Der Vortrag von Prof. Dr. Bodo Melnik aus Osnabrück gestern auf dem Stillkongress lässt mich nicht los:

Muttermilch enthält viel miRNA. Das sind kleine RNA-Schnipsel, mit deren Hilfe Gene an- und abgeschaltet werden können. miRNA beeinflusst also, welche Gene abgelesen werden, und welche nicht. Die miRNA in der Muttermilch ist so in Vesikel verpackt, dass sie vom Baby nicht verdaut wird, sondern in den Zellen des Kindes ankommt. Dort schaltet sie Gene dafür an, dass möglichst keine Allergien entstehen.

Das heißt
a) Beikost sollte unbedingt parallel zum Stillen eingeführt werden – Allergieprävention.
b) Für das Kind wäre eine Stillzeit von mindestens einem Jahr am besten, da in der Zeit alle Jahreszeiten durchlaufen werden und das Kind mit einer Reihe von Erregern (Pollen z.B.) in Kontakt kommt – und Stillen kann dann Allergien darauf vorbeugen.

Durch die Muttermilch reguliert die Mutter die Expression der Gene des Kindes! Wie krass ist das!

Ich muss es nochmal sagen, denn WOW: Auch nach der Geburt reguliert die Mutter die Genexpression des Kindes!

Es geht weiter: in den Vesikeln ist neben der miRNA auch mRNA und Reverse Transkriptase. Also genau die Zutaten, die man braucht, um die mRNA ( = Kopien der Gene der Mutter), in das Genom des Kindes einzubauen. Was genau da passiert, und wo genau, und warum, das weiß man noch nicht.

Und es geht immer noch weiter. Muttermilch enthält Stammzellen der Mutter. Und es wurde gezeigt, dass diese Stammzellen unter anderem in die Thymusdrüse des Babys wandern. Aus Stammzellen können viele verschiedene Zelltypen werden. Und die Thymusdrüse ist für das Immunsystem sehr wichtig. Auch hier ist noch nicht genau bekannt, was da genau passiert.

Auf jeden Fall ist Muttermilch nicht einfach bloß Nahrung, sondern für die kindliche Entwicklung, insbesondere für die Gesundheit, von sehr großer Bedeutung.

Und jetzt wird die Wochenbettbetreuung abgebaut. Richtig radikal abgebaut. Genau die Versorgung, die Frauen dabei hilft, ihr Kind erfolgreich zu stillen, wird abgebaut.

Die Politik, die für die Gesundheitsversorgung ihrer Bürger verantwortlich ist, entscheidet sich dafür, lieber die Wirtschaft zu unterstützen, was in diesem Fall eindeutig gesundheitsschädigend ist. Das ist ja auch mal ein Statement.

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